26. Kompolize Sommer 2026
Die Jury des Lietzeorchesters hat entschieden: Preisträger des 26. Internationalen Kompositionswettbewerbes Kompolize Sommer 2026 ist Anthony Jacobs mit seinem Werk Noodklok. Die Uraufführung findet am Sonntag, 5. Juli 2026, um 19 Uhr in der Emmauskirche in Berlin-Kreuzberg, am Mittwoch, 8. Juli 2026, um 20 Uhr in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin-Charlottenburg sowie am Sonntag, 12. Juli 2026, um 11 Uhr in der Freilichtbühne an der Zitadelle Spandau in Berlin-Haselhorst statt.
Der belgische Komponist Anthony Jacobs wurde im Jahr 2000 in Arcachon (Frankreich) geboren. Schon früh kam er mit klassischer Musik in Berührung. Nachdem er Beethovens Sinfonien und Vivaldis Konzerte gehört hatte, entwickelte er eine leidenschaftliche musikalische Kreativität und begann, Saxophon und Klavier zu spielen.
Im Alter von vierzehn Jahren wurde er zum Kompositionsstudium am Konservatorium von Bordeaux aufgenommen, wo er sich mit den großen Werken der Komponisten-Generation um 1925 und der Seriellen Musik befasste. 2022 wurde er zum Kompositionsstudium am Königlichen Konservatorium Brüssel in den Klassen von Daniel Capelletti, Martin Loridan und Lukas Ligeti zugelassen. Hier wandte er sich von der Ästhetik ab, die er während seiner Jahre in Bordeaux studiert hatte, und entdeckte nordamerikanische Minimalisten, die Russische Musik des 20. Jahrhunderts und polnische Komponisten nach 1950. Heute entwickelt er einen Ansatz, bei dem diese verschiedenen Ästhetiken aufeinandertreffen und sich überschneiden.
Anthony Jacobs lebt und arbeitet in Brüssel. Als junger Komponist möchte er seine Jugend nutzen, um durch seine Forschung zur Entwicklung der osteuropäischen Ästhetik nach Dmitri Schostakowitsch, die im Westen noch relativ unbekannt ist, einen Beitrag zum zeitgenössischen Schaffen zu leisten. Seine Werke werden bei New Consonant Music veröffentlicht.
Über sein Werk Noodklok schreibt Anthony Jacobs:
„Noodklok“ ist das niederländische Wort für „Alarmglocke“. Noodklok ist eine Hommage an Dmitri Schostakowitschs symphonische Musik und thematisiert zugleich das besorgniserregende Aufkommen gegenwärtiger Gefahren. In seinen verschiedenen Abschnitten umreißt das Werk eine Gesellschaft, die kurz davor steht, in einen Abgrund zu stürzen, aus dem es offenbar kein Entkommen gibt. Der Alarmglocke, ein traditionelles Notsignal, ertönt wie eine Warnung angesichts einer zunehmend instabilen Welt, in der die Schatten der Vergangenheit wieder auftauchen und die Zukunft bedrohen.
Die Komposition ist als beschreibendes Werk konzipiert und in drei verschiedene Abschnitte unterteilt. Der erste Abschnitt zeichnet sich durch ein langsames Crescendo aus, das von den tiefen Instrumenten des Orchesters ausgeht und sich innerhalb eines sich ständig wandelnden harmonischen Gefüges verstärkt. Der zweite Abschnitt bildet den Kern des Werks. Er hat die Form einer Ostinato-Passacaglia, in der Bass und Melodie aufeinander reagieren. Durch die Zunahme von Chromatik und absichtlich verwendeten, großen Dissonanzen löst sich der Diskurs schließlich vollständig auf. Der dritte Teil, in krebsgängiger und transponierter Form geschrieben, symbolisiert eine zyklische musikalische und historische Wiederkehr.


